Für die Erhaltung der Bohrtürme
in der Rheinebene

"Mir halte draa fescht"

Landratstätigkeit zeigt Wirkung

Mittlerweile hat die Regierung meine Interpellation  zur Erhaltung der Bohrtürme in der Schweizerhalle beantwortet (hier das Protokoll mit meiner Replik).

Schneller war die Prattler Fasnacht, die die Salzbohrtürme als Sujet für ihre Plakette erkoren hat.

 

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Protokoll der Landratssitzung vom 22. März 2007

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2006-197 vom 7. September 2006
Interpellation von Ruedi Brassel, SP: Bohrtürme in der Rheinebene

- Beschluss des Landrats am 22. März 2007: < beantwortet >


Nr. 2344

Die Interpellation wird von Regierungsrätin Elsbeth Schneider (CVP) beantwortet: Gemäss Baugesuch 1578/2006 Bauherrschaft Schweizerische Rheinsalinen sollen die beiden letzten Bohrtürme auf Baselbieter Boden versetzt werden. Gleichzeitig soll das Gebiet Dürrenhübel erschliessungstechnisch vorbereitet werden. Dabei handelt es sich um einen Teil des Gebiets Salina Raurica, welches der kantonalen Planungszone unterliegt.

Zu Frage 1:

Die über das Gebiet Salina Raurica verhängte kantonale Planungszone bedeutet keine Planungs- oder Bau-Stoppzone; es kann dort also weiter geplant und gebaut werden. Die Planungszone ist ein zusätzliches Prüfungsverfahren, welches sicher stellt, dass keine Projekte realisiert werden, die der Gesamtplanung in dem Gebiet Salina Raurica zuwider laufen würden. Teilweise müssen Baugesuche abgelehnt oder zurück gestellt werden, andererseits werden Baugesuche im Zeitraum der fünf Jahre ganz regulär genehmigt. Die Erschliessungsplanung durch die Schweizer Rheinsalinen entspricht der Planung Salina Raurica, die an dieser Stelle die Entwicklung eines Logistikstandortes vorsieht, und sie wurde mit dem ARP abgesprochen. Die Grundeigentümerin, die Vereinigten Schweizerischen Rheinsalinen, kann mit diesem Vorgehen ihre Fläche möglichst schnell und entsprechend der Nachfrage vermarkten. Es gibt keine rechtliche Handhabe, konforme Baugesuche auch während der Planungszonenzeit abzuweisen. Die Bauvorhaben von Logistikunternehmen entsprechen den Industriezonenvorgaben von Pratteln.

Zu Frage 2:

Die beiden verbleibenden Bohrtürme sind am 12. Juni 2006 im Rahmen des Bauinventars Baselland inventarisiert worden. Das Bauinventar stellt fest, dass das Ensemble - bestehend aus zwei Bohrtürmen, den drei Bohrhäusern am linken Weg 22, 23, 24, 26 und 32 - bestehen bleiben muss und als Ensemble schutzwürdig ist. Im Zonenplan Siedlung der Gemeinde Pratteln sind die Bohrtürme als besonders schützenswerte Objekte aufgeführt. Sie dürfen daher nicht abgebrochen werden. Die Regierungsrätin zitiert den Reglementstext: «Bauten der Gruppe A und B sind zu schützen und zu erhalten und dürfen grundsätzlich nicht abgebrochen werden. Vor der Zustimmung zu einem unumgänglichen Abbruch muss eine Baubewilligung für einen entsprechenden Neu- oder Umbau vorliegen.»

Zu Frage 3:

Die Rheinsalinen sind für den Kanton von ganz herausragender historischer Bedeutung, da sie wesentlich zu dessen Überleben beigetragen haben. Die heute noch vorhandenen Bohrtürme sind ein aussagekräftiges Symbol und man möchte sie unbedingt erhalten. Die Bohrtürme sollen wenn immer möglich an Ort erhalten bleiben, da sich dort die in Zusammenhang zu betrachtenden und ebenfalls erhaltenswerten Bohrlöcher befinden. Am 9. Mai 2006 fand eine Besprechung zwischen den Vertretern der Schweizerischen Rheinsalinen, der Gemeinde Pratteln und den Vertretern des ARP sowie der kantonalen Denkmalpflege statt. Es ging um die Verlegung der Bohrtürme. Normalerweise wird Produktionsschlamm als Nebenprodukt der Salzproduktion in den stillgelegten Kavernen verpresst. Die Rheinsalinen möchten prüfen, ob die Kavernen unter den Bohrtürmen für diese Verpressung geeignet sind respektive ob die übrigen Kavernen bald gefüllt werden können. Allein aus diesem Grund müssen die Bohrtürme versetzt werden. Man hat entschieden, den Bohrturm während der Untersuchungen neben die Bohrhäuser zu stellen. Nach der Rückstellung muss der Gesamteindruck aber wieder stimmen. Der Bohrturm soll vorübergehend dort bleiben, bis der definitive Standort für das ganze Ensemble entschieden werden kann.

Die grundsätzliche Verlegung der Bohrtürme oder der Bohrhäuser wird nur andiskutiert. Auflage ist, dass alle Gebäude als Ensemble verlegt werden. Als Standort kommt nur ein Ort in Frage, der auch historisch mit der Salzgewinnung in Zusammenhang steht. Eine Verlegung kann nur mit den entsprechenden Vertretern aller oben erwähnten Fachstellen sowie der Gemeinden entschieden werden.

Ruedi Brassel (SP) beantragt die Diskussion, da seine 'kurze' Erklärung möglicherweise Anlass zur Diskussion geben könnte. Er bedankt sich bei Regierungsrätin Elsbeth Schneider für die Antwort und gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Bemühungen um die Erhaltung der Bohrtürme nachhaltig sein werden. Die Antworten konnten den Interpellanten nur teilweise zufrieden stellen. Dies habe aber in erster Linie mit der nun dort eingetroffenen Situation zu tun. Er bezieht sich auf ein Bild in der Basellandschaftlichen Zeitung vom 21. März 2007, welches die Bohrtürme im Hintergrund und Bauprofile im Vordergrund zeigt; und genau das stelle das Problem in diesem Gebiet dar. Mit der Erschliessung des Gebiets Dürrenhübel, das sowohl verkehrstechnisch mit Strassenlinienplan, aber auch bereits mit der Profilierung von künftigen Bauten, vorangetrieben wird, gehe etwas verloren, das den Charakter dieser Landschaft und die Charakteristik der Bohrtürme ganz entscheidend prägt, nämlich die Weite der Rheinebene, in welcher die Bohrtürme bisher standen. Dieser Verlust sei durch nichts zu ersetzen. Denn stelle man sich Bohrtürme mit einer Höhe von ca. 30 Metern in einem Umfeld von Nutzbauten, Lagerhallen und Logistikzentren vor, die diese Höhe überschreiten könnten, so wird damit die architektonisch-landschaftliche Wirkung der Bauwerke massiv beeinträchtigt.

Es ist klar und richtig, dass die Unterschutzstellung vorgenommen wurde. Damit einher geht aber auch ein qualitativer Verlust an einem Baudenkmal, welches für den Kanton von herausragender Bedeutung ist. Ohne diese Salinen hätte der Kanton Baselland im 19. Jahrhundert nicht überleben können, betont er nochmals den historischen Wert der Bauten. Seines Erachtens wäre dieses Gedenken ein Opfer an Bebauungsfläche wert gewesen.

Richtigerweise gehe es in diesem Fall auch nicht nur um die Bohrtürme, sondern um das Ensemble, welches als Ganzes in der Rheinebene erhalten bleiben soll. Eine Versetzung wäre nur eine unbefriedigende Lösung, da jede Versetzung die Gefahr in sich birgt, dass das Ensemble sich von etwas löst, was auch dazu gehört, nämlich von den einzigartigen Arbeiterhäusern, die in der Saline und von der Saline gebaut wurden. Dieses Umfeld zusammen mit den Gärten vor den Arbeiterhäusern und den Baumgärten zu erhalten, wäre seiner Ansicht nach ebenso wichtig. Er bittet eindringlich, mit der Unterschutzstellung auf die Wahrung eines guten Standortes und darauf zu achten, dass das gesamte Ensemble in Bezug auf den baulichen aber auch landschaftlichen Aspekt möglichst optimal erhalten werden kann. Zudem sollen die Bauwerke im Rahmen des Projekts Salina Raurica auch einer Wertschätzung zugeführt und einem interessierten Publikum zugänglich gemacht werden. Betrachte man das Salina Raurica-Projekt, so sei Salina leider an einem sehr kleinen Ort gelandet und Raurica - hoffentlich nicht: Schaurica - sehr viel grösser geworden. Salina müsse aber sein Wort halten, da es eine wichtige Etappe in der Kantonsgeschichte beinhaltet. Er bittet, dies zu berück-sichtigen.

Keine weiteren Wortbegehren.

://: Damit ist die Interpellation 2006/197 beantwortet.